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Holger Heiten (Eschwege - Institit) und die Ältesten - Initiative

"Älteste" wer sind die eigentlich? Heißen die so, weil die besonders alt sind? Wird man automatisch zum Ältesten, wenn man ein bestimmtes Alter erreicht hat? Wozu sind die denn so wichtig, wo es doch überall heißt, dass man dann eben zum alten Eisen gehört?
Häufige Fragen, die illustrieren, wie wenig wir darüber noch wissen.
In unserem Ansatz und unserem Welt- und Menschenbild sind "Älteste" die 4. soziale Gruppe, dieebenso wichtig ist wie die der Kinder, der Jugendlichen und der Erwachsenen. Sie sind wichtig für das Gleichgewicht im Lebensrad der Vier Schilde, wo sie schwerpunktmäßig der Qualität des Ostens zugeordnet werden und doch mit einem Bein noch im Norden stehen, weshalb sie auch"Ahnen in Ausbildung" aber auch "Die Stimme der kommenden Generationen" genannt werden.
In der klassischen Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und ihren Eltern, oder zwischen den jungen Wilden und dem Establishment, spielten sie seit je her die wichtige Rolle der von uns so genannten "Dritten Instanz", die mit keinem der sich reibenden Kräfte verbandelt ist und deshalb gut zwischen ihnen vermitteln kann. Sie sind nicht verbandelt, weil sie ihre Jugend gelebt und reflektiert haben, so wie sie es mit der Lebensphase des verantwortlichen Erwachsen-Seins getan haben. Sie haben ihre Kinder erzogen, ihre Leute lange genug mit allem versorgt, alles Dinge, die längst von jüngeren übernommen wurden.
Manch einer mag sich noch erinnern, wie wichtig es war, wenn es mal wieder zu einem Krach mit den Eltern gekommen war, zu den Großeltern, oder zu dem ehemaligen Lastwagenfahrer von nebenan gehen zu können, um einfach mal eine andere Perspektive auf die Sache zu bekommen.
Es ist erwiesen, dass Menschen sich dann am Wohlsten und Sichersten fühlen, wenn sie neben der eigenen noch weitere Generationen im sozialen Umfeld wahrnehmen können. Dies ist leicht nachvollziehbar, denn in unserem kollektiv unbewussten Erinnern ist seit zigtausend Jahren eingeprägt, dass z.B. keine Kinder mehr wahrzunehmen, das elendige Ende des Volkes bedeuten würde. Fehlen die Erwachsenen, fehlt es an Maß und Struktur, weshalb alles in einem Chaos untergehen würde und fehlt es an Ältesten, dann ist die Geschichte und die Weisheit des Volkes verloren und gibt es keine ausgleichende Kraft mehr, weshalb alle Torheiten und Fehler noch einmal begangen werden müssen.
Aus dem alten Stammwort für den Geschichtenerzähler des Dorfes "Whisdor",  entwickelten sich später die englischen Wörter wisdom und history.
Unserer Meinung nach ist es dem beinahe völligen Wegfall der Rolle der Ältesten geschuldet, dass die Verantwortlichen Erwachsenen des „Nordenschildes“ unsere Welt immer hemmungsloser verordnen, messen, verwalten und vergewalten. Es gibt einfach keine kulturell anerkannte Instanz mehr, die sie dafür offiziell auslachen dürfte.
Dies war und ist eine Qualität der Ältesten, die Dinge der Welt nicht mehr so Bier-Ernst zu nehmen, weil sie als Ahnen in Ausbildung bereits das Loslassen üben, bzw. das Vertrauen in eine Dimension die größer und umfassender wirkt als all das sorgenvolle Steuern- und Kontrollieren-Wollen. Wir brauchen die Stimme der Ältesten, wir brauchen ihre Lebensweisheit und ihren umfassenden ausgleichenden Überblick über die vier großen Qualitäten des Lebensrades, damit nicht alle miteinander versagen und noch mehr Unsinn verzapfen.
Wir haben oft festgestellt, dass Dinge besser gelingen, wenn sie den Segen eines/ einer Ältesten haben, da wir dann unbewusst weniger befürchten es uns mit unserer Sippe zu verderben und rausfliegen würden. Die ebenso unbewussten Selbstverhinderungsmechanismen müssen dann gar nicht erst aktiv werden :-)
Unsere Ältesten-Initiative
Diesen Ruf "Wir brauchen Älteste!" haben wir oft auf den großen internationalen und nationalen Gatherings unserer Netzwerke gehört. Dann ist es jedoch auch wieder so, dass wir zwar alle alt werden, aber Älteste werden nicht alle. Deshalb laden wir seit 2009 jeweils zwei "Älteste" (ein Mann und eine Frau) ein, in unsere zweijährigen Ausbildungsgruppen in Initiatischer Prozessbegleitung und Visionssuche-Leitung zu kommen (außer Kost und Logis, müssen sie nichts zahlen). Dies tun wir nicht, weil wir so anmaßend wären und glaubten "Älteste" ausbilden zu können, sondern um uns und ihnen ein Forschungsfeld zu ermöglichen, in dem wir auf interaktive Weise erforschen können, was "Älteste/r-Sein in unserer heutigen Welt eigentlich bedeutet.
Die, wenn man so will, Neuen Ältesten, wissen ebenso wenig was ihre originäre und der heutigen Zeit angemessene Verhaltensweise ist, wie wir Jüngeren noch, oder schon wieder wissen, in welcher Weise und für welche Anliegen wir sie in Anspruch nehmen sollen. Wir brauchen Geduld miteinander und viele Gelegenheiten dies zu erforschen.
Wir alle profitieren von der gelassenen Atmosphäre, die sich einstellt, wenn eben mehrere Generationen im Raum sind.
Wir laden Älteste auch gerne ein unsere Visionssuche-Gruppen, ob nun für Jugendliche oder Erwachsene, zu bereichern. Aus dieser Initiative haben sich inzwischen einige Älteste hervorgetan, die am Institut jeden Oktober ein eigenes "Ältesten-Seminar" mit dem Titel "Die Entbindung vom Norden" anbieten.
Im September richten wir, in Kooperation mit Marlow Hotchkiss unserem 75´jährigen Mentor und Council-Ältesten, und Anna Wohlesser aus Österreich, ein internationales Symposium aus, bei dem untersucht werden soll, welchen Einfluss junge Menschen und Älteste auf die erfolgreiche nachhaltige Entwicklung von Dorfgemeinschaften hat